Vier Projektwochen - eine "Spezialität" des Hauses

Wenn ich Außenstehenden über meine Arbeit an der Glockseeschule berichte, hebe ich gern eine Besonderheit hervor: „Bei uns gibt es vier Projektwochen im Schuljahr, das ist eine Spezialität, und ich finde sie prima!“ Ob das denn nicht einen Riesenaufwand bedeute, werde ich dann manchmal gefragt.

Sicher, als Lehrerin betreibe ich dafür mal mehr und mal weniger Aufwand, je nach Thema. Komischerweise empfinde ich das (meistens) nicht als besonders anstrengend, vielleicht, weil die Vorbereitung auf ein Thema zu Beginn der Projektwoche zum großen Teil abgeschlossen ist und die restlichen vier Tage dadurch fast „von selbst “ laufen. Änderungswünsche und Ideen der Kinder lassen sich dabei oft noch spontan einbauen.

Was an den Projektwochen aus pädagogischer Sicht so „prima“ ist, haben wir neulich während einer Unterstufenkonferenz noch einmal zur Sprache gebracht. Da wir in der Unterstufe tagten, ist in den folgenden Abschnitten von Kindern die Rede, aber etliche der genannten Vorzüge von Projektwochen gelten auch für Jugendliche. 

Ganzheitlichkeit

Es wird intensiv und ganzheitlich an einem Thema gearbeitet. Die Kinder haben Zeit, sich umfassend mit einer von ihnen gewählten Sache zu beschäftigen, sich ihr von verschiedenen Seiten her anzunähern, kognitiv, sinnlich, spielerisch, praktisch handelnd, und sich somit ganz auf das Thema zu konzentrieren und einzulassen.

Berücksichtigung individueller Interessen

Das Themenangebot, das für die Kinder zur Wahl steht, ist größer als im normalen Unterricht, d.h. die Chance für jedes einzelne Kind, nach eigener Interessenlage arbeiten zu können, ist hoch. Und die Erwachsenen bieten gern ein Projekt an, das ihren persönlichen Neigungen entspricht, so dass sie ebenfalls motiviert in die Arbeit einsteigen. Zudem sind die Projektgruppen klein, sie entsprechen in der Regel etwa einer halben Klasse, dadurch ist der Kontakt zwischen dem zuständigen Erwachsenen und dem einzelnen Kind intensiver und es können mehr Fragen, Wünsche und Ideen individuell berücksichtigt werden.

Erweiterung des Horizonts und sozialer Beziehungen

Kinder aus verschiedenen Jahrgängen und Klassen mischen sich in einer Projektgruppe – so haben sie die Chance, neue Kinder kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und sich selbst in neuen Rollen zu erleben. Ich als Lehrerin lerne Kinder aus anderen Klassen kennen oder erlebe mir schon bekannte Kinder auf neue Weise. Und die Kinder lernen auch Erwachsene kennen, mit denen sie sonst im Schulalltag nicht so viel Kontakt haben. Projektangebote machen übrigens nicht nur die LehrerInnen und SozialpädagogInnen, sondern es arbeiten öfter auch Eltern mit und bringen sich mit ihren fachlichen Kenntnissen und Fähigkeiten als Experten ein. Sehr häufig bieten sich in Projektwochen sinnvolle Möglichkeiten zum Aufsuchen außerschulischer Lernorte an, die Schule öffnet sich und die Kinder erkunden zusammen die Welt.

 

Angenehme Arbeitsatmosphäre und schöne Erinnerungen

Die meisten Kinder melden nach einer Projektwoche zurück, dass sie ihnen gefallen hat und sie viel Spaß hatten. Manche sagen am Ende, sie hätten die Projektzeit gern verlängert und noch weiter so zum Thema gearbeitet. Andere drücken sich etwa so aus: „Das ist gar nicht wie eine Arbeitswoche, eher wie eine Pause vom Alltag, eine schöne Abwechslung.“ Na gut, einige Kinder beziehen sich in ihren positiven Rückmeldungen weniger auf die Inhalte des Projekts, sondern loben immer besonders das tägliche, gemütliche Frühstück in der kleinen Gruppe. Auch die Erwachsenen melden oft zurück, dass sie die Arbeit in der Projektwoche entspannt, ergebnis- und abwechslungsreich fanden.

Gleich viermal

An der Glockseeschule wird die Bedeutung der Projektwochen als sehr hoch eingeschätzt, und deshalb gibt es sie gleich viermal im Schuljahr. An drei Tagen ist in diesen Wochen schon um 13 Uhr statt um 15 Uhr Schluss, weil die verfügbaren Lehrerstunden konzentriert in die Projektzeit gelegt werden. Dieser Ablauf wird von Elternseite organisatorisch mit getragen, indem die Betreuung ihrer Kinder nach früherem Schulschluss privat geregelt wird. Das ist nicht immer ganz leicht und bringt die Frage auf: „Müssen es vier Projektwochen sein? Reichen nicht auch drei?“ Außerdem unterbrechen die Projektwochen auch laufende Gruppen- und Unterrichtsprozesse, manchmal eben gerade an Stellen, wo Kontinuität in der Klasse wünschenswert wäre. Insbesondere in den ersten Wochen des Schuljahres steht das Zusammenfinden der neuen Gruppen in JÜL 1-3 im Vordergrund. Die erste Projektwoche findet darum erst im Spätherbst statt, was zur Folge hat, dass die übrigen drei gut verteilt in der zweiten Hälfte des Schuljahres liegen müssen. Hier gilt es, bei der Terminplanung eine zu enge Aufeinanderfolge der drei Projektwochen im zweiten Halbjahr zu vermeiden! Nicht immer ließen sich die Termine optimal in den Schulkalender einfügen, und so wurde schon darüber nachgedacht, in Ausnahmefällen auch mal eine Projektwoche im Jahr zu streichen. Vor allem in JÜL 1-3 könnte eine solche Lösung Entlastung bei Zeitproblemen bringen. 

Abgesehen von dieser Ausnahmeregelung für JÜL 1-3 bleibt es generell – laut Konferenzbeschluss – bei vier Projektwochen im Jahr, zumal die vier Themenschwerpunkte es nahe legen und den Schulalltag inhaltlich entlasten. Die Munkelwoche (Ethik/Religion), die Kreativwoche (Kunst/Hobby), die Forscherwoche (Natur/Geschichte/Geographie/Technik) und die Sportwoche (mit Fahrradtraining und -prüfung des 4. Jahrgangs) bieten besondere Zeiträume für Unterrichtsthemen, die man dann nicht mehr zu anderen Zeiten und in anderer Form unterbringen muss.

So wird es die „Spezialität des Hauses“ nach unserem bewährten Rezept geben, solange viele große und kleine Leute an der Glockseeschule immer wieder auf Projektwochen gespannt sind und sich auf sie freuen. Und ganz besonders gespannt sind wir in diesem Schuljahr auf die Projektwoche im April, die erstmalig stufenübergreifend - also für Ober- und Unterstufe gemeinsam - geplant und durchgeführt wird.

[Text: Anke von der Ah]

Termine

26.04.17 - 21.06.17

27.04.17

00:00 - 22:00

Elternrat

04.05.17

18:00 - 19:30

Gesamtkonferenz

Ort: Mensa

04.05.17

20:30 - 22:00

Elternabend 1-10

11.05.17

20:00 - 22:00

Elternrat (optional)