Berichte statt Zensuren

In der Glocksee Schule werden bis zur 10. Klasse keine Noten gegeben. Statt Ziffernzeugnisse bekommen die SchülerInnen individuelle Berichte. Nach den zehn Schuljahren können Jugendliche den Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss oder den qualifizierten Sekundarstufen-Abschluss machen.

Bis zur 10. Klasse werden in der Glocksee Schule keine Zensuren erteilt und keine Zeugnisse vergeben. Das heißt, es wird auf die messende und vergleichende Beurteilung der SchülerInnen einer Klasse zu festgelegtem Zeitpunkt und Niveau verzichtet.

Der Wegfall formalisierter Leistungskontrollen und -beurteilungen hinterlässt kein Vakuum: An die Stelle von benoteten Klassenarbeiten bzw. Tests setzen die LehrerInnen intensive Beobachtungen der Lernprozesse, individuelle Rückmeldungen und unterstützenden Gespräche. Statt Ziffernzeugnisse gibt es schriftliche Berichte bzw. Briefe, die halbjährig verfasst werden. Die Lernenden sollen wissen, wo sie in ihrem individuellen Lernprozess stehen, welche Entwicklung sie bisher gemacht haben und wie es weitergehen kann. Dabei sollen die Interventionen der LehrerInnen die Fähigkeiten der SchülerInnen zur Selbstreflexion und Selbsteinschätzung unterstützen und weiterentwickeln.

Für die LehrerInnen selbst sind die Halbjahresberichte ein Zwang zur Reflexion, der sichert, dass kein(e) SchülerIn „aus dem Blick“ gerät. Mit ihren Briefen wenden sich die LehrerInnen an jedes Kind und jeden Jugendlichen persönlich, geben individuelle Rückmeldungen, die sich auf deren Lernfortschritt sowie auf ihre soziale Situation in der Klassengruppe beziehen. Sie verhehlen dabei die Subjektivität ihrer Wahrnehmungen und Beschreibungen nicht, geben aus ihrer Sicht die aktuellen Entwicklungen der Kinder und Jugendlichen wieder. Dabei bemühen sich die LehrerInnen, diese nicht zu interpretieren, sondern zu beschreiben und sich Moralisierungen zu enthalten. Sie wollen mit ihren Briefen die SchülerInnen ermutigen und ihre weitere Entwicklung unterstützen, ohne jedoch eventuelle Probleme zu verschleiern oder zu verklären.

Umfang und Differenziertheit der Berichte nehmen im Verlauf der Schulzeit und mit dem Älterwerden der Kinder und Jugendlichen zu.  Die Berichte werden durch Beratungsgespräche ergänzt.  In der Jahrgangsstufe 4-6 treten an die Stelle der Halbjahresberichte ausführliche Gespräche der LehrerInnen mit den SchülerInnen und deren Eltern, deren Verlauf und Vereinbarungen protokolliert werden.

Ab Klasse 9 verfolgen die Beratungsgespräche das Ziel, sich mit den Jugendlichen und ihren Eltern über den angestrebten und möglichen Abschluss und damit über die Einstufung auf ein entsprechendes Arbeitsniveau für die 10. Klasse zu verständigen.

In der 10. Klasse arbeiten die SchülerInnen entsprechend der Erlasslage für die Glocksee Schule auf zwei verschiedenen Anforderungsniveaus (Hauptschul- oder Realschulabschluss). Dabei werden sie weiter wie gewohnt gemeinsam bei innerer Differenzierung unterrichtet. Eine äußere Differenzierung in Leistungsgruppen gibt es an der Glocksee-Schule nicht.

In der 10. Klasse erhalten die SchülerInnen zum ersten Mal ein Halbjahreszeugnis (mit Noten!) und am Schuljahresende ihr Abschlusszeugnis, mit dem ihnen einer der drei möglichen Sekundarstufen-I-Abschlüsse zuerkannt wird.

Der Übergang von den auf individuelle Lernfortschritte bezogenen Berichten zur vergleichenden Benotung ist nicht ohne Probleme und muss in den Schuljahren vorher vorbereitet werden. Berufsberatung und Schullaufbahnberatung begleiten diesen Prozess.

Der Verzicht auf Zensuren, Noten und Zeugnisse zugunsten von Gesprächen und Berichten während nahezu der gesamten Schulzeit ist eine wesentliche Vorraussetzung für die von uns angestrebten Beziehungen und Auseinandersetzungen zwischen LehrerInnen und SchülerInnen und damit ein wichtiger Bestandteil des Glocksee-Konzepts.

Termine

22.07.14 - 16.09.14

24.07.14

20:30 - 21:00

Elternabend 1 bis 9

31.07.14 - 10.09.14

Sommerferien